Mit der Faksimile-Ausgabe der "Erinnerungen" von Johannes Sassenbach will die Johannes-Sassenbach-Gesellschaft e.V. ihren Namensgeber einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen. Johannes Sassenbach, der sich neben seiner Tätigkeit in der deutschen und in der internationalen Gewerkschaftsbewegung während des Deutschen Kaiserreiches und der Weimarer Republik einen Namen gemacht hat, war vor allem in der gewerkschaftlichen Bildungs- und Kulturarbeit aktiv und hat diese maßgeblich geprägt. Dadurch ergibt sich der Zusammenhang zwischen den Aufgaben, die sich die Johannes-Sassenbach-Gesellschaft gestellt hat, und der gewerkschaftlichen Tradition, für die der Name Sassenbach steht. Die Gesellschaft will nicht nur zur Sicherung, Erhaltung, Erschließung und Zugänglichkeit der Bestände des Archiv-, Bibliotheks- und Sammlungsgutes der vormaligen Zentralbibliothek und des Zentralarchivs des FDGB in Berlin - heute in der "Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv" - beitragen, sondern auch Forschungen auf dem Gebiet der Gewerkschafts- und Sozialgeschichte fördern. Bei der Veröffentlichung der "Erinnerungen" wurde mit Bedacht von einer Kommentierung abgesehen. Sie hätte die Authentizität und die unmittelbare Wirkung der Aussagen Sassenbachs erheblich beeinträchtigt, abgesehen vom zeitlichen Aufwand für eine wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Erschließung des Textes und der finanziell nicht vertretbaren Umfangserweiterung. Die wichtigsten Informationen zu Leben und Werk von Johannes Sassenbach erfahren der Leser und die Leserin durch die Einleitung aus der Feder von Dr. Daniela Münkel und einen ausführlichen Lebenslauf. Die Johannes-Sassenbach-Gesellschaft erhofft sich von der Veröffentlichung der recht unterhaltsamen "Erinnerungen" eine Steigerung des Interesses an ihrer Arbeit und vielleicht auch aktive Unterstützung durch einen Beitritt oder eine freundliche Spende für ihr unentgeltliches Wirken.
Johannes Sassenbach (geb. am 12.10.1866 in Breun, gest. am 19.11.1940 in Frank-furt a.M.) war eine national und international bekannte Persönlichkeit der Gewerkschaftsbewegung in der Zeit des Deutschen Kaiserreichs und der Weimarer Republik. Er war Vorsitzender der Sattlergewerkschaft, im Vorstand der Generalkommission der Gewerkschaften während des Kaiserreichs, erster sozialdemokratischer Stadtrat in Preußen zur Zeit des Ersten Weltkrieges, erster Sozialattache in der Weimarer Republik und bis 1931 Sekretär bzw. Generalsekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB), Verleger, Schriftsteller und Publizist.1 Sassenbach repräsentiert aufgrund seines sozio-ökonomischen und politischen Hintergrundes den typischen Gewerkschaftsführer der ersten Generation nach der Aufhebung des Sozialistengesetzes, der z.B. auch der erste Vorsitzende der Generalkommission der Gewerkschaften im Kaiserreich, Carl Legien (1861-1920)2, angehörte: geboren in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts, von bäuerlich-kleinbürgerlicher Herkunft und familiär nicht sozialistisch vorgeprägt, erlernten sie nach der Volksschule einen Handwerksberuf, gingen auf Wanderschaft und wurden durch die dabei gesammelten Erfahrungen vor allem in der Arbeitswelt politisiert. Der SPD und den Gewerkschaften schlossen sie sich nach der Verabschiedung des Sozialistengesetzes an, übernahmen relativ schnell Führungspositionen in der gewerkschaftlichen Organisation, die sie in der Regel bis weit in die zwanziger Jahre hinein bekleideten. In Fragen der Weiterqualifikation und -bildung waren sie auf Eigeninitiative sowie autodidaktischen Studien angewiesen.3 Auf die Person Sassenbachs bezogen heißt dies, daß er im Jahr 1866 als Sohn eines Landsattlers, Bauern und Gastwirts in einem rheinischen Dorf (Kreis Wipper-fürth) geboren wurde, bereits mit 12 Jahren Vollwaise war und bei seinem Onkel aufwuchs. Nach der Volksschule erlernte er den Beruf des Sattlers und begab sich, nach einer kurzen Tätigkeit als Geselle, auf Wanderschaft, die ihn auch nach Italien, Frankreich und in die Schweiz führte.4 Durch die während der Wanderjahre geknüpften Kontakte und seine eigenen Erfahrungen wurde Sassenbach "politisiert". Er entwickelte eine Sensibilität für soziale Ungleichheit und die Notwendigkeit, mittels Gründung von Arbeiterorganisationen, diese zumindest abzuschwächen. Darüber hinaus weckte die Wanderschaft sein Interesse für andere Länder, deren Kultur und Sprache. Im November 1889 richtete er in Köln eine Filialstelle des einige Monate vorher gegründeten "Allgemeinen Deutschen Sattlervereins" ein und wurde der Beisitzer der Filialstelle. Fast zeitgleich kam er auch mit der Sozialdemokrade in Berührung. Im Jahr 1891 wurde er, nun nach Berlin übergesiedelt, mit nur 24 Jahren zum Vorsitzenden des "Sattlervereins" gewählt, dessen Zeitung er maßgeblich betreute. Diese Position hatte er bis 1906 inne. Im Jahr 1902 wurde Sassenbach in den Vorstand der "Generalkommission der Freien Gewerkschaften Deutschlands" (ab 1919: Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund - ADGB) gewählt, dessen Mitglied er bis 1923 blieb. Neben seiner gewerkschaftlichen Arbeit engagierte er sich auch in der SPD. Er war Vertrauensmann im V. SPD-Wahlkreisverein Berlin und kandidierte zweimal vor dem Ersten Weltkrieg - allerdings auf aussichtslosen Positionen - für den Reichstag. In der Zeit von 1905 bis 1915 war er Stadtverordneter in Berlin, und im Jahr 1915 wurde er dort zum ersten sozialdemokratischen Stadtrat in Preußen gewählt. Dieses Amt hatte er bis zum Jahr 1920 inne. Der Krieg hatte für die anderen politischen Kräfte die bislang abgelehnte Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten unerläßlich gemacht, und die Mehrheit der Sozialdemokraten ihrerseits war nun auch im Zuge der "Burgfriedens-politik" dazu bereit.5 Als Stadtrat war Sassenbach bis Kriegsende als Vertreter der "Lebensmittelkommission" (später dann "Beirat für Volksernährung"6), für die Verteilung der zusehends knapper werdenden Lebensmittel an die Bevölkerung zustän-dig. Darüber hinaus bekleidete er folgende Ämter: Mitglied der Kommission für den Bereich der Milchversorgung, Mitglied der Gewerbe-Deputation, der Deputation für das Fach- und Fortbildungswesen sowie die "Krüppel- und Gefangenen-Fürsorge", zuständig für die Kriegerfamilien und -witwen, sowie des Ausschusses für Berufsberatung und der Zentralstelle für Jugendfürsorge.
Nach dem Ersten Weltkrieg, im Jahr 1920, wurde er - begünstigt durch seine gute Bekanntschaft mit Friedrich Ebert sowie seine Sprachkenntnis und Auslandserfahrung - der erste Sozialattachè Deutschlands an der Botschaft in Rom.7 Die Aufgaben, die er zu erfüllen hatte, waren die Wahrung der Interessen der Arbeiter und Angestell-ten Deutschlands, die Übermittlung von Auskünften zur sozialpolitischen Situation, das Knüpfen von Kontakten zur Arbeiterbewegung im Ausland sowie Abkommen zwischen den Regierungen in bezug auf sozialpolitische Fragen anzuregen und vorzubereiten. Das Amt eines Sozialattachès hatte Sassenbach allerdings nur ein knappes Jahr (mit längeren Unterbrechungen) inne. Anfang 1921 ging er dann für wenige Wochen als Sozialattachè an die deutsche Botschaft nach Brüssel. Der Schwerpunkt des weiteren politischen Engagements Sassenbachs während der Zeit der Weimarer Republik lag im Bereich der Internationalen Gewerkschaftsbewegung. 1922 wurde er zum Sekretär des IGB und 1927 zu dessen Generalsekretär gewählt. Da der Sitz des IGB nach dem Krieg in Amsterdam war, übersiedelte er 1923 dorthin. Mit 65 Jahren, im Jahr 1931, zog er sich aus der aktiven Politik zurück und verlegte seinen Wohnsitz nach Frankfurt am Main. Er schreibt dazu in seinen "Erin-nerungen": "Seit meinem Rücktritt als Generalsekretär des IGB habe ich still als Privatmann gelebt und grundsätzlich darauf verzichtet, im öffentlichen Leben eine Rolle zu spielen und der jüngeren Generation im Wege zu stehen. Die Entwicklung der Verhältnisse in Deutschland hat diesen Entschluss überdies leicht gemacht."8 Über sein weiteres Leben bis zu seinem Tod wissen wir relativ wenig, da er diese Zeit in seinen "Erinnerungen" ausspart und in den diversen Archiven - wie Recherchen ergeben haben - wenig diesbezügliche Quellen überliefert sind. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 ist Sassenbach - trotz der Aufforderung durch Freunde zu emigrieren - in Deutschland geblieben. Er wurde in kurzer Zeit zweimal verhaftet. Das erste Mal Anfang Mai 1934 und das zweite Mal am 15. Mai 1934. Wie aus der Gefangenenkartei hervorgeht, erfolgte die erste Verhaftung, weil er durch "einen Vertrauensmann in Paris der Vornahme staatsfeindlicher Handlungen beschuldigt worden" war. Da ihm nichts nachgewiesen werden konnte, wurde er nach einem Tag wieder endassen.9 Darüber hinaus ist unter dem Datum vom 7. August 1933 vermerkt, daß er "verbotene Zeitungen" beziehe. Die zweite Verhaftung erfolgte im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens "wegen Vorbereitung zum Hochverrat", das zunächst beim Amtsgericht Frankfurt a.M. und dann bei der dortigen Staatsanwaltschaft anhängig war.10 Sassenbach war 17 Tage inhaftiert, und das Verfahren wurde am 31. Mai 1934 "wegen nicht hinreichender Beweise" eingestellt. Die Ermittlungsakten dieses Verfahrens sind nicht überliefert, so daß nähere Angaben dazu nicht gemacht werden können. Sein weiteres Lebens bis zu seinem Tod scheint er sehr zurückgezogen verbracht zu haben, wie u.a. aus einem Brief der Frau seines Freundes und Testaments-vollstreckers Willi Haug 11 aus dem Jahr 1941 hervorgeht:
Sassenbach starb am 19. November 1940 an einem Schlaganfall. Seine Beerdigung fand, seinem eigenem Wunsch entsprechend, in aller Stille statt. Neben der kurz skizzierten gewerkschaftlichen und parteipolitischen Karriere hatte er noch weitere Interessen, durch die er sich von den anderen Gewerkschaftsführern unterschied und aus denen die Schwerpunktsetzung seiner gewerkschaftlichen Arbeit auf den Bildungs- und Kulturbereich resultierte. Hier sind vor allem - darauf wird noch ausführlich einzugehen sein - seine verlegerischen und schriftstellerischen Tätigkeiten sowie sein Drang nach akademischer Bildung und bürgerlicher "Hochkultur2" zu nennen. Heute ist Johannes Sassenbach außerhalb eines kleinen Kreises von Gewerkschafts-historikern oder gewerkschaftshistorisch Interessierten kaum bekannt. Zwar ist ihm noch ein achtzolliger Eintrag im Brockhaus gewidmet,13 dennoch ist aus dem öffentlichen Gedächtnis weitgehend verschwunden. Dies hängt sicherlich nicht zuletzt damit zusammen, daß relativ wenig Quellenmaterial - mit Ausnahme publizierter Artikel und Bücher - über Sassenbach überliefert ist. Sein Nachlaß, der bei seinem Tod in den Besitz von Otto Scheugenpflug übergegangen war, verbrannte während eines Fliegerangriffs im Zweiten Weltkrieg.14 Zahlreiche Korrespondenzen wurden aufgrund einer testamentarischen Verfügung Sassenbachs nach seinem Tod vernichtet.15 Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, daß eine umfassende Biographie über Sassenbach fehlt.16
Sassenbach kam durch Kontakte, die er während seiner Wanderjahre als Sattlergeselle geknüpft hatte, zur noch jungen Gewerkschaftsbewegung. Darüber hinaus nährte sich bei ihm aufgrund der vielen negativen Erfahrungen, wie schlechte Arbeitsbedingungen, mangelnde soziale Absicherung, die z.T. katastrophalen Zustände in Gesellenherbergen usw., die Einsicht, sich aktiv für eine Verbesserung der Zustände einsetzen zu müssen. Die Gewerkschaftsbewegung war am Beginn des Weges zur Massenorganisationen, als er im Jahr 1889 zu ihr stieß. Die Geschichte dieser Bewegung begann mit den frühen Vorläufern in Form von Bildungsvereinen (gegr. 1844). Ab 1847/48 kam es dann zur Gründung der ersten katholischen und evangelischen Arbeitervereine. Es folgte im Zuge der Revolution von 1848 die "Arbeiterverbrüderung" mit dem Ziel der sozialen Selbsthilfe, der Einrichtung eines Arbeitsnachweises, des 10-Stunden-Tages sowie der Errichtung von Produk-tions- und Konsumgenossenschaften.17 Die führenden Trägergruppen dieser Anfänge der Arbeiterbewegung waren vor allem Handwerker und Gesellen-Arbeiter. Im Zuge der Restaurationsphase in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatten auch diese Zusammenschlüsse unter einer massiven politischen Verfolgung zu leiden. Dennoch gelang es nicht, derartige Bestrebungen zu unterbinden. In den Jahren 1868/ 69 kam es dann infolge der Aufhebung der Koalitionsverbote und der guten wirtschaft-lichen Konjunktur zu einer regelrechten Gründungswelle von Gewerkschaften, die durch eine Streikwelle zwischen 1865 und 1873 begünstigt wurde. Die führenden Initiatoren waren wiederum handwerklich geprägte Berufsgruppen. Die Arbeit dieser neuen Gewerkschaften bestand zunächst, neben der Unterstützung von Streikenden, vor allem in dem Bemühen, eine ständige Verwaltungs-, Verbands-, Presse- und Werbearbeit aufzubauen. Seit den sechziger Jahren wurde eine Anbindung der Gewerkschaften an die sozialdemokratische Bewegung zunehmend deutlicher. Diese Entwicklung war auch der Anlaß zur Gründung politisch anders orientierter Gewerkschaftsorganisa-tionen: der liberalen "Hirsch-Dunkerschen Gewerkvereine" (gegr. 1868) und in den 1890er Jahren der "Christlichen Gewerkschaften".18 Innerhalb der sozialdemokratischen Gewerkschaftsbewegung gab es seit 1872 Bestrebungen, einen zentralen Dach-verband zu schaffen. Auf einer Gewerkschaftskonferenz im Anschluß an den Gothaer Vereinigungsparteitag 1875, auf dem die "Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands" gegründet wurde,19 kam es zu einer bereits seit längerem angestrebten Einigung der sozialdemokratisch orientierten Gewerkschaften, die den Anschluß an die Sozialde-mokratie nochmals bekräftigte. Von dem 1878 erlassenen Sozialistengesetz waren die Gewerkschaften genauso betroffen wie die Sozialdemokratische Partei; auch sie wurden offiziell aufgelöst und mußten versuchen, in der Illegalität eine Form der Weiterexistenz zu finden. 1880 gab es dann jedoch schon wieder erste Ansätze der Organisierung in Form von lokalen Fachvereinen, von Kranken- und Sterbekassen sowie von Wanderunterstützungsinitiativen. Trotz seiner Repressionsmaßnahmen auf der Grundlage des Sozialistengesetzes gelang es dem Staat nach Aufhebung des Gesetzes 1890 nicht, den beginnenden Durchbruch der Gewerkschaften als Massenorganisationen aufzuhalten. Auch ansonsten unterlag die Gewerkschaftsbewegung seit den 1890er Jahren entscheidenden Veränderungen: Während der achtziger Jahre war ein Generationswechsel in der Mitgliedschaft vonstatten gegangen. Nicht mehr der zünftig geprägte Handwerker, sondern der fachlich hochqualifizierte Industriearbeiter dominierte nun zunehmend. Diese Veränderung hatte weitreichende Folgen nicht nur für die Mitgliederstruktur, sondem auch für den Charakter der Arbeitskämpfe, die Einstellung zum Staat, den Ar-beitgebern und die Organisationsstruktur. Es ging nun darum, neue Rechte im Kampf um Löhne, Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen einzufordern. Der Staat wurde nicht mehr ausschließlich als Instrument der herrschenden Klasse zur Unterdrückung der Arbeiterschaft betrachtet, sondern nun zunehmend auch als Mittel gesehen, mit dem die Arbeiterschart versuchen konnte, ihre wirtschaftliche und soziale Besserstellung zu erreichen. Mit den Arbeitgebern kam es schrittweise zur Zusammenarbeit in den Selbstverwaltungsorganen der Sozialversicherungsträger, was langfristig die Einstellung zu ihnen änderte. Die Veränderungen erforderten nunmehr eine straffe und zentrale Organisationsform der Gewerkschaftsbewegung. Nicht der berufsorientierte Fachverein auf lokaler Ebene war das Modell der Zukunft, sondern die große, berufsübergreifende Organisation. Um die Schlagkraft der Bewegung zu erhöhen, schlossen sich die so-zialdemokratischen Gewerkschaften im November 1890 unter dem Dach der neu gegründeten "Generalkommission der Freien Gewerkschaften" zusammen.20 Diese hatte primär organisatorische Aufgaben zu erfüllen, versuchte aber in den folgenden Jah-ren, auch gewerkschaftspolitische Akzente zu setzen. Den Vorsitz der Generalkom-mission übernahm der gelernte Drechsler Carl Legien, der diese Funktion bis zu seinem Tod im Jahr 1920 inne hatte. Legien war - wie bereits erwähnt - ein junger, prag-matischer Gewerkschaftsführer seiner Zeit und repräsentierte den Generationswechsel in der Führung der sozialdemokratisch geprägten Gewerkschaftsbewegung, der während des Sozialistengesetzes stattgefunden hatte. Gerade die Erfahrungen von Repression prägten deren politische Ansichten, ihre Stellung zu Staat und Gesellschaft, was ent-scheidende Auswirkungen auf die Gewerkschaftspolitik der folgenden Jahrzehnte hatte.
In die Generation von Carl Legien gehörte auch Sassenbach, der seine Karriere zu-nächst 1889 in der Filiale des neu gegründeten "Allgemeinen deutschen Sattlervereins" in Köln als Beisitzer begann. Seine Kontakte, die er während seiner Wanderschaft geknüpft hatte, und sein Talent, Reden zu halten, hatten seinen Einstieg in die Gewerkschaftsbewegung begünstigt. Der entscheidende Aufstieg innerhalb der Organi-sation wurde durch seine Übersiedlung nach Berlin im Jahr 1890 beschleunigt. Dort angekommen, nahm er sofort Kontakt zum örtlichen Sattlerverein auf. Durch bereits bestehende persönliche Verbindungen wurde ihm der Eintritt in diesen Berufsverein wesentlich erleichtert. Seine Reden auf den Versammlungen des Sattlervereins und seine publizistische Tätigkeit für die "Sattlerzeitung" machten ihn innerhalb des Vereins relativ schnell bekannt. Bereits wenige Monate nach seiner Ankunft -Anfang 1891 -wurde er zum Verbandsvorsitzenden des "Allgemeinen deutschen Sattlervereins" gewählt.
Die geschilderten Verhältnisse können als typisch für die Situation von Gewerkschaftsfunktionären in dieser Zeit angesehen werden. Der hauptamtliche Gewerkschaftsfunktionär ist auf Verbandsebene Anfang der 1890er Jahre kaum zu finden. Sassenbach gelang es aber relativ schnell, seine finanzielle Basis durch zahlreiche Nebeneinnah-men, wie Honorare für Reden, Zeitungsartikel, die Herausgabe der Sattlerzeitung und schließlich ab 1895 durch die Erhöhung der Aufwandsentschädigung zu verbreitern, so daß er nicht mehr als Sattler arbeiten mußte. Darüber hinaus ermöglichten ihm in den folgenden Jahren nicht nur seine Besoldung als Funktionär, sondern auch sein väterliches Erbe sowie diverse andere Nebeneinnahmen ein gesichertes Auskommen. Die Zeit, die ihm auf diese Weise zusätzlich zur Verfügung stand, nutzte er vor allem, um sich weiterzubilden und seinen außergewerkschaftlichen Interessen nachzugehen. Wie auch bei anderen Verbandsvorsitzenden, gehörte zu den Aufgaben von Sassenbach als Verbandsvorsitzendem des Sattlervereins vor allem die Agitations- und Organisationsarbeit mit dem Ziel, die Mitgliederzahlen zu vergrößern und eine schlag-kräftige Organisationsstruktur aufzubauen. Zu Agitationszwecken unternahm er zahlreiche Reisen in verschiedene Gegenden Deutschlands. Er organisierte und leitete natio-nale Sattlerkongresse und nahm an internationalen Kongressen teil. Des weiteren waren die Organisierung von Streiks und deren Unterstützung ein wichtiges Betätigungs-feld. Auch Maßnahmen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Sattler wurden ergriffen, beispielsweise im Jahr 1891 die Gründung einer Produktionsgenossenschaft. Neben diesen Tätigkeiten innerhalb des Sattlervereins war er dessen Vertreter in zentralen gewerkschaftlichen Zusammenschlüssen, wie z.B. dem Berliner Gewerkschaftskartell, oder Vertreter auf den jährlichen zentralen Gewerkschaftskongressen. 1902 wurde er in den Vorstand der Generalkommission gewählt. Seine Arbeit als Verbandsvorsitzender der Sattler legte Sassenbach 1906 nieder, da sich sein Arbeitsschwerpunkt hin zum Geschäftsführer des Berliner Gewerkschaftshauses und zur gewerkschaftlichen Bildungsarbeit verlagert hatte. Für den Sattlerverein blieb er bis 1921 als Sekretär des Internationalen Verbandes weiter tätig.
Den Schwerpunkt seiner Tätigkeit als Gewerkschaftsfunktionär seit Anfang des Jahrhunderts legte er auf die Bildungs- und Kulturarbeit. Der Einfluß, den Sassenbach auf die Bildungsarbeit der Freien Gewerkschaft bis zum Ausbruch des Ersten Welt-krieges reichsweit hatte, ist sehr hoch anzusetzen. Diese Arbeit entsprach im besonderen seinen Interessen. Er hatte seit frühester Jugend einen Drang nach Bildung, dersich wie ein Faden auch durch seine "Erinnerungen" zieht, er versuchte - sobald sich ihm die Möglichkeit dazu bot -, sich beständig weiterzubilden. Dieser "Bildungsdrang", der sich unter der Parole "Wissen ist Macht! - Macht ist Wissen!" (Wilhelm Lieb-knecht, 1872) in Deutschland in Arbeiter- und Handwerkerkreisen verbreitete, machte das Lernen zur Massenbewegung. Durch das Lesen von Büchern - über Sassenbachs außerordentliche Bibliothek wird an anderer Stelle noch zu sprechen sein -, durch das Erlernen von Fremdsprachen, durch die Teilnahme an Abendkursen oder Universitätsveranstaltungen, durch Diskussionen mit Gelehrten oder Schriftstellern u.v.a.m. versuchte Sassenbach, sein Wissen zeitlebens zu vergrößern. Dabei ist einerseits das Streben nach klassischer bürgerlicher Bildung zu beobachten, andererseits beschäftigte er sich mit den Klassikern der sozialistischen Philosophie und Theorie und legte einen Arbeitsschwerpunkt auf die Rezeption gewerkschaftlicher Literatur. Darüber hinaus zeigte er schon früh Interesse am Theater. So gründete er bereits während seiner Lehrzeit einen Theaterverein unter dem Namen "Eintracht", besuchte wann immer möglich Theateraufführungen und engagierte sich später in der "Freien Volksbühne", die 1890 von Gewerkschaftern und Sozialdemokraten ins Leben gerufen wurde, um Theaterveranstaltungen für Arbeiter anbieten zu können und sich bewußt vom bür-gerlichen Kulturangebot unabhängig zu machen. Sassenbach wurde 1909 in den Vorstand der "Freien Volksbühne" Berlin gewählt und wirkte dort bis zum Jahr 1913 als Schriftführer. Im Jahr 1900 wurde in Berlin ein zentrales Gewerkschaftshaus eingeweiht. Es war das dritte - neben Frankfürt a.M. und Stuttgart - in Deutschland. In den nächsten Jahren folgten weitere in fast allen Großstädten des Deutschen Reiches.22 Die Ge-werkschaftshäuser sollten ein Zentrum der Freien Gewerkschaften in den jeweiligen Städten sein. Sie sollten Büroräume für die einzelnen Verbände, das Arbeitersekretariat und Versammlungsräume sowie Unterkunftsmöglichkeiten für reisende Gewerkschaftsmitglieder zur Verfügung stellen. In der Regel waren eine Gaststätte und eine Bibliothek vorhanden. Im Berliner Gewerkschaftshaus war noch zusätzlich - nach der Übersiedlung von Hamburg nach Berlin im Jahr 1903 - die Generalkommission der Freien Gewerkschaften untergebracht. Die Gewerkschaftshäuser waren Teil der Konzeption der all-gemeinen Zentralisierung innerhalb der Gewerkschaftsorganisation, was bei den Mitgliedern nicht selten mit Kritik und Skepsis aufgenommen wurde. So verwundert es kaum, daß auch die Gewerkschaftshäuser anfangs von den Arbeitern nicht so gut wie erhofft angenommen wurden. Viele blieben lieber in ihrem gewohnten Quartier. Dennoch galten die Gewerkschafishäuser als große soziale und kulturelle Errungenschaft und schufen gute Voraussetzungen für die Kultur- und Bildungsarbeit. Sassenbach war als Mitglied des Berliner Gewerkschaftskartells an den Planungen für das Gewerkschaftshaus beteiligt gewesen und wurde nach der Fertigstellung der Leiter dieser Institution, in der er auch seinen Wohnsitz nahm. Diese neue Aufgabe bildete den günstigen Ausgangspunkt für sein verstärktes bildungs- und kulturpoli-tisches Engagement innerhalb der Gewerkschaften. Seine bildungspolitische Vorstel-lungen harmonierten mit denen der Reformisten innerhalb der SPD, die den Bildungs-begriff im Sinne einer humanistischen Allgemeinbildung definierten und Arbeiter-bildung innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft als eine zentrale Aufgabe ansahen. Sassenbach organisierte im Berliner Gewerkschaftshaus u.a. zahlreiche Ausstellungen, die weit über die Grenzen Berlins Beachtung fanden. Im folgenden seien nur seine wichtigsten Aktivitäten genannt. Hier ist zunächst - seit 1902 - eine Ausstellung "empfehlenswerter Jugendschriften" zu erwähnen. Die Auswahl der Bücher basierte auf einem Verzeichnis von Hamburgern Lehrern zu diesem Thema. Die Ausstellung war nicht nur ein großer Erfolg, sondern sie bildete auch den Anstoß für Sassenbach, ein gewerkschaftseigenes Verzeichnis "guter Jugendschriften", das laufend ergänzt wurde, zu erstellen. Dieses Verzeichnis wurde von vielen Gewerkschaftsbibliotheken genutzt. Auf dem Gebiet der Jugendarbeit blieb Sassenbach auch in den Folgejahren aktiv. So war er beispielsweise der Vertreter der Freien Gewerkschaften in der von Friedrich Ebert geleiteten "Zentralstelle für die arbeitende Jugend Deutschlands", die seit 1908 die Jugendarbeit von SPD und Gewerkschaften organisierte.23 Die Stelle wurde im Ersten Weltkrieg aufgelöst, und die Gewerkschaften begannen, verstärkt nach dem Krieg, eine eigene Jugendarbeit aufzubauen. Nicht nur Bücher, sondern auch Bilder sollten den Arbeitern "näher" gebracht werden.
Durch seine erfolgreiche Arbeit im Berliner Gewerkschaftshaus und seine übri-gen intellektuellen und kulturellen Aktivitäten hatte sich Sassenbach einen hervorragen-den Namen auf dem Gebiet der gewerkschaftlichen Bildungs- und Kulturarbeit gemacht. So ist es nicht verwunderlich, daß er nach seiner Wahl in die Generalkommission u.a. mit diesem Aufgabengebiet betraut wurde. Die gewerkschaftliche Bildungsarbeit basierte im wesentlichen auf der Funktionärsschulung und der Mitgliederbildung.27 Das Bildungsangebot bestand vor allem aus speziellen Unterrichtskursen, Vorträgen, Bibliothekswesen und der Gewerkschaftspresse. Seit Anfang der zwanziger Jahren kamen die Volkshochschulen und eine eigene Gewerkschaftsschule in Berlin hinzu, deren Exi-stenz maßgeblich auf Sassenbach zurückgeht. Im folgenden sollen die Unterrichtskurse und das gewerkschaftliche Bibliothekswesen näher betrachtet werden, da es sich hierbei um Schwerpunkte der Arbeit von Sassenbach handelte.28 Stand bis 1890 in der Bildungsarbeit der Gewerkschaften die "allgemeine Arbeiterbildung zur Hebung des geistigen Niveaus der Mitglieder" im Vordergrund, machten die Entwicklung der Gewerkschaften zu Massenorganisationen und die immer umfassender werdenden Aufgabengebiete seit der Jahrhundertwende eine planmäßige Ausbildung der hauptamtlichen Funktionäre unerläßlich.29 Dabei wurde nicht das Ziel einer allgemeinen "Volksbildungsarbeit" verfolgt, sondern Bildungsarbeit wurde in diesem Fall als Mittel zur Erfüllung der wirtschafts- und sozialpolitischen Aufgaben der expandierenden Gewerkschaftsorganisation gesehen. Da in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch keine gewerkschaftseigenen Institutionen vorhanden waren, wurden die in Frage kommenden Personen von ihren jeweiligen gewerkschaftlichen Berufsverbänden zu sechsmonatigen Lehrgängen auf die 1891 von Wilhelm Liebknecht gegründete SPD-Parteischule nach Berlin geschickt.30 Da das dort vermittelte Wissen nicht auf die speziellen Bedürfnisse der Gewerkschaftsarbeit ausgerichtet war, wurden schnell Stimmen laut, die eine gewerk-schaftseigene, spezielle Funktionärsausbildung forderten. Den ersten diesbezüglichen Antrag stellte bereits 1902 der Verband der Steindrucker und Lithographen auf dem Stuttgarter Gewerkschaftskongreß. Dieses Ansinnen stieß auf geringe Gegenliebe, dennoch wurde das Thema weiter diskutiert. Von den Vorstandsmitgliedern der Generalkommission war es vor allem Sassenbach, der sich in der Frage von Unterrichtskursen für Gewerkschaftsfunktionäre engagierte. Er veröffendichte 1905 in der Sattlerzeitung ein eingehendes Programm für derartige Kurse, das in weiteren Artikeln zum Thema im "Correspondenzblatt" aufgegriffen wurde. Auf dem im gleichen Jahr in Köln stattfindenden Gewerkschaftskongreß stellte Sassenbach dann folgenden Antrag, der auch angenommen wurde:
Zur Umsetzung richtete die Generalkommission eine Kommission unter Leitung Sassenbachs ein. Entsprechend dem in der Sattlerzeitung entworfenen Programm wurden die Kurse konzipiert, d.h. vierwöchige zentral abzuhaltende Kurse mit täglich fünf Unterrichts- und zwei Diskussionsstunden für Gewerkschaftsfunktionäre sowie für andere als geeignet befundene Gewerkschaftsmitglieder. Inhaltlich sollten möglichst gewerkschaftsspezifische, praxisrelevante Fragen behandelt werden, da es nicht um das Schließen von Lücken in der Allgemeinbildung, sondern um die für die Tätigkeit der verschiedenen Gewerkschaftsfunktionäre relevanten Fragen gehen sollte. Die Kosten für die Hörer sollten die einzelnen Verbände selbst tragen. Der erste derartige Unterrichtskurs fand vom 20. August bis 15. September 1906 in Berlin statt.32 Als Lehrkräfte wurden ruhrende Gewerkschafter gewonnen, unter ihnen auch Carl Legien, die über ihr jeweiliges Spezialgebiet referierten und diskutierten. Sassenbach selbst war für "Gewerkschaftliche Literatur" zuständig. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs - danach wurden die gewerkschaftlichen Unterrichtskurse eingestellt und die Funktionärsausbildung wurde nach anderen Gesichtspunkten konzipiert - nahmen an 22 Kursen, die bis auf sechs Wochen verlängert worden waren, 1.387 Hörer teil.33 Darüber hinaus führten einzelne Verbände dezentrale Fortbildungsveranstaltungen durch, denn eine Weiterführung war aufgrund der ständig wachsenden Zahl von Gewerkschaftsfunktionären und der spezifischen verbandlichen und regionalen Besonderheiten unabdingbar. Neben den allgemeinen Kursen wurden immer häufiger spezielle Kurse für Arbeitersekretäre gefordert. Die sogenannten Arbeitersekretariate wurden 1894 eingerichtet und dienten vor allem der juristischen Beratung von Arbeitern. Der Bedarf nach einer derartigen Unterstützung stieg ständig und die Sachverhalte wurden immer komplexer, so daß Kurse, die auf die Bedürfnisse der Arbeitersekretäre abgestellt waren, dringend gebraucht wurden. Auch bei der Konzipierung dieser Kurse war Sassenbach federführend. Allerdings fanden seit 1909 nur vier solche Kurse mit 115 Teilnehmern statt. Der inhaltliche Schwerpunkt lag bei arbeits- und versicherungsrechtlichen Fragen.34 Um die Wissensdefizite bei den Arbeitersekretären auszugleichen, erschien dann ab 1912 einen monatliche "Arbeiterrechtsbeilage" im "Correspondenzblatt". Waren die Kurse für die Funktionäre der Gewerkschaften maßgeblich aus den Erfordernissen der Praxis entstanden, blieb die Frage nach den Grundlagen gewerkschaftlicher Bildungspolitik auf anderen Gebieten auch weiterhin ein Diskussionsthema. Auf dem Dresdener Gewerkschaftskongreß des Jahres 1911 wurde erstmals innerhalb dieses Forums ausgiebig über Bildungsfragen debattiert. Wieder war es Sassenbach, der den bildungspolitischen Kurs maßgeblich mitbestimmte. Er stellte Leitsätze zur Bildungsarbeit und zum Bibliothekswesen auf, die von dem Kongreß mehrheitlich angenommen wurden und somit als Grundlage gewerkschaftlicher Bildungspolitik bis zum Ende des Kaiserreichs, z.T. auch darüber hinaus, galten. Ausgehend von der Prämisse, daß die zunehmend wachsende Arbeiterorganisation genügend geschulte Kräfte benötige, sei eine systematische "Erziehungsarbeit" unter den Mitgliedern unerläßlich. Um diese zu erreichen, seien vor allen Dingen Presse, Vorträge und Bibliotheken als die entscheidenden "Erziehungsmittel" auszubauen und weiterzuentwickeln. Dies sollte nach folgenden Maßgaben geschehen:
Die hier aufgestellten Richtlinien resultierten aus langjährigen Erfahrungen mit Gewerk-schaftsbibliotheken und waren der Versuch, diese zu optimieren, um dieses herausragende Bildungsmittel nutzbringender einsetzen zu können. Leihbibliotheken gab es seit den Anfängen der Gewerkschaftsbewegung. Sie wurden in der Regel von den Ortsvereinen der einzelnen Verbände eingerichtet und umfaßten fachwissenschaftliche, allgemeinbildende und unterhaltende Literatur.38 Dies hatte eine völlige Zersplitterung der gewerkschaftlichen Bibliothekslandschaft zur Folge, da unter Umständen jeder einzelne Verband in der Stadt oder Gemeinde eine eigene Bibliothek unterhielt. Bei-spielsweise gab es allein in Berlin 1894 insgesamt 51 freigewerkschaftliche Bibliotheken. Die Nachteile eines solchen Systems wie z.B. viele Mehrfachexemplare, fehlende finan-zielle Mittel für Neuanschaffungen und das Fehlen eines hauptberuflichen Bibliothekars lagen auf der Hand. Die Vorteile waren allerdings der relativ unaufwendige Zugriff auf Bücher für die Arbeiter, denn lange Anfahrtszeiten, die als unnötige Belastung des sowieso sehr geringen Zeitbudgets empfunden wurden, fielen weg. Dies war einer von mehreren Gründen, warum die Zentralisierungstendenzen von der Basis in vielen Fällen abgelehnt wurden. Dennoch wurden sie zunehmend durchgesetzt. Vor allem wurde auch die Anstellung von hauptberuflichen Bibliothekaren mit Nachdruck verfolgt, da dies nicht nur eine bessere Organisation zur Folge hatte, sondern man sich auch eine systematischere Auswahl der Neuanschaffungen erhoffte. Dabei sollte ein Ausgleich zwischen dem Bedürfnis nach "guter" Unterhaltungsliteratur der Arbeiter - derartige Bücher wurden am häufigsten ausgeliehen - und dem Anspruch der Gewerkschaften, auch sozialistische Theoretiker und vor allem gewerkschaftliche Literatur an die potentiellen Leser zu bringen, angestrebt werden. Auch auf diesem Gebiet engagierte sich Sassenbach. Er erstellte eine Liste mit empfehlenswerter Literatur für die Gewerkschaftsbibliotheken,39 unterstützte Kampagnen gegen "Schund- und Schmutzliteratur",40 schrieb Rezensionen für die Literaturbeilage des "Correspon-denzblattes" und initiierte Tagungen für Arbeiterbibliothekare. Insgesamt gesehen gelang es den Gewerkschaften - unter maßgeblicher Mitarbeit von Sassenbach -, ihr Bibliothekssystem zu modernisieren und zu zentralisieren und damit auch diesen Bereich der Bildungsarbeit an die veränderten Bedingungen gewerkschaftlicher Arbeit anzupassen.
Sassenbach ist auch mit der Geschichte des IGB von seinen Anfängen 1901 bis zum Jahr 1931 eng verbunden gewesen.41 Die Frage nach einem internationalen Zusammenschluß der Gewerkschaftsbewegung erschien seit Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend dringlicher zu werden. Es herrschten trotz programmatischer Differenzen und Unterschieden in den tatsächlichen Einflußmöglichkeiten der nationalen Gewerkschaftsorganisationen auf die Politik in ihrem jeweiligen Lande fast überall ähnliche soziale Probleme der Arbeiterschaft vor. Darüber hinaus verlangte die zunehmende Inter-nationalität der kapitalistischen Produktionsweise auch eine Internationalität der Arbeiterbewegung als Gegenpol. Nach einigen erfolglosen Anläufen, so z.B. der gescheiterten "Internationalen Arbeiter-Association" von 1864, kam es 1901 in Kopen-hagen - angeregt durch die dänische Gewerkschaft - zum Gründungskongreß einer Gewerkschaftsinternationale, ohne daß man sich dort schon einen festen Aktionsrahmen gab. Zunächst wurde die jährliche Abhaltung, ab 1903 dann zweijährlich, von internationalen Gewerkschaftskongressen beschlossen, an denen nur zwei Vertreter der gewerkschaftlichen Landeszentralen teilnehmen sollten.42 Bei den bis zum Kriegsaus-bruch 1914 regelmäßig stattfindenden internationalen Konferenzen kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen einzelnen nationalen Verbänden - sei es 1903 in Dublin, wo u.a. die deutsche Delegation vor Ende des Kongresses abreiste, oder sei es auf der 4. Konferenz 1905 in Amsterdam, wo es Auseinandersetzungen um die Tagesordnung gab; auch zwei Jahre später in Kristiania (Oslo) entzündeten sich weitere Konflikte. Dort blieben die Vertreter der französischen Gewerkschaften fern, da ihre angemeldeten Tagesordnungspunkte nicht angemessen Berücksichtigung fanden. Insgesamt gesehen lagen die Tätigkeitsschwerpunkte des IGB vor dem Ersten Weltkrieg vor allem in dem organisatorischen Auf- und Ausbau des Bundes selber sowie in der Beschäftigung mit sozialen Problemen, deren internationale Lösung angestrebt wurde.43 Die Diskussion theoretischer Fragen wurde grundsätzlich abgelehnt. Die Aufgaben des Bundes lagen darin, den engeren Zusammenschluß der Gewerkschaften aller Länder zu gewährleisten und eine gegenseitige - vor allem wirtschaftliche -Unterstützung bei Arbeitskämpfen und Fragen der Organisierung der Arbeiterschaft anzustreben. Der Bund, dem nur Landeszentralen und keine Einzelgewerkschaften angehören durften, beschränkte sich somit auf praktische Fragen und praktizierte das Prinzip der Nichteinmischung in nationale Auseinandersetzungen der Arbeiterbewe-gung. Diese "Neutralität" war bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges innerhalb des Bundes mehrheitsfähig. Auf der Konferenz im Jahr 1903 wurde der Beschluß gefaßt, einen "Internatio-nalen Sekretär der Gewerkschaften" zu benennen. In dieses Amt wurde der Vorsitzende der deutschen Generalkommission der Gewerkschaften, Carl Legien, der bereits seit 1902 als "ehrenamtlicher Sekretär" tätig war, gewählt. Der Sitz des Büros der Gewerkschaftsinternationale, die sich erst auf ihrer Konferenz im Jahr 1913 in Zürich den Namen "Internationaler Gewerkschaftsbund" gab, wurde Berlin. Legien hatte das Amt bis 1919 inne. Die Aufgaben des Sekretärs, ab 1913 "Präsident des Interna-tionalen Gewerkschaftsbundes", bezogen sich hauptsächlich auf den organisatorischen Bereich. So war er dafür zuständig, die Verbindungen zu den einzelnen Landeszentralen aufrechtzuerhalten, die jährlichen Berichte der diversen Landessekretäre, die hauptsächlich statistische Angaben u.a. zu Mitgliederentwicklung oder Streiktätigkeiten enthielten, zu bearbeiten und zusammenzufassen sowie in den jeweiligen Landesspra-chen zugänglich zu machen. Sassenbach war seit 1903 neben Legien der zweite Vertreter der Generalkommission der Gewerkschaften bei den Konferenzen des IGB. Diese Aufgabe wurde ihm sofort nach seiner Wahl in den Vorstand der Generalkommission übertragen, da er durch seine Sprachkenntnisse, sein Interesse an anderen Ländern und seiner - wenn auch zu diesem Zeitpunkt noch nicht sehr großen - Auslandserfahrung dafür am geeignetsten erschien. In der Zeit bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges spielte er zwar keine herausragende Rolle innerhalb des Bundes, er nutzte jedoch die Möglichkeit, seine Auslandskontakte auszubauen und für die deutsche Gewerkschaftsbewegung nutzbar zu machen. Beispielsweise organisierte er Austauschprogramme mit den englischen und den belgischen Gewerkschaften. Es ist auch davon auszugehen, daß er in bestimmten Fragen Legien in seiner Position als Sekretär zur Seite stand. Darüber hinaus berichtete er regelmäßig von den internationalen Konferenzen in der Gewerkschafispresse.44 Durch längere Reisen ins Ausland, so im Jahr 1904 nach Italien, die Teilnahme an übernationalen Sattlerkongressen, so z.B. 1906 in Frankreich oder 1907 in Schweden, sowie die Teilnahme an Kongressen anderer europäischer Gewerk-schaften und durch einen zweimonatigen Aufenthalt am Ruskin College45 in Oxford im Frühjahr 1914 erweiterte Sassenbach nicht nur seine Sprachkenntnisse und Aus-landserfahrungen, sondern er knüpfte auch viele neue wichtige Kontakte zur europäischen Gewerkschaftsbewegung,46 die ihm zu einem gewissen Bekanntheitsgrad in diesen Ländern verhalfen.
Während des Ersten Weltkrieges kam es faktisch zu einem organisatorischen Zusam-menbruch des IGB. Nationale Interessen überwogen und die vielbeschworene inter-nationale Solidarität der europäischen Arbeiterbewegung war außer Kraft gesetzt.47 Versuche, weiterhin - wenn auch nur sehr eingeschränkt - zusammenzuarbeiten, scheiterten letztendlich. Ein Brief der französischen Gewerkschaftszentrale vom Juli 1914 an Legien, der zum gemeinsamen Handeln der Gewerkschaftsbewegungen aufforderte, wurde durch die deutsche Militärzensur abgefangen und erreichte erst Ende September den Empfänger. Auch Bemühungen Legiens, mit seinen Kollegen im Ausland im Kontakt zu bleiben, blieben erfolglos. Ziemlich bald nach Kriegsausbruch wurden Stimmen laut, die eine Verlegung des Internationalen Sekretariats forderten. Diesem Ansin-nen widersetzte sich Legien zwar erfolgreich, Berlin blieb bis 1919 offiziell Sitz der IGB-Zentrale, allerdings wurde in Amsterdam, also in den neutralen Niederlanden, eine Zweigstelle eingerichtet. Darüber hinaus errichteten die Gewerkschaften in den Ländern der Entente noch ein weiteres "Zentrales Korrespondenzbüro" in Paris. Von letzterem wurde am 6. Juli 1916 eine Konferenz nach Leeds einberufen, auf der allerdings nur Großbritannien, Frankreich, Belgien und Italien vertreten waren. Inhalt-lich ging es dabei vor allem um die Ausarbeitung eines Programms sozialer Forderungen für die Nachkriegszeit. Der Plan Legiens, für Dezember 1916 eine Internationale Kon-ferenz in Bern abzuhalten, erwies sich angesichts der Kriegslage als unrealistisch. Eine solche Konferenz wurde für den Juni 1917 in Stockholm über das Amsterdamer Büro einberufen. Allerdings nahmen an ihr - mit Ausnahme der französischen Gewerkschaften - nur Vertreter der Mittelmächte und der neutralen Länder teil. Auch hier sollte ein sozialpolitisches Friedensprogramm beraten werden. Anfang Oktober des gleichen Jahres fand dann eine weitere Konferenz in Bern statt, an der allerdings nur Vertre-ter aus Bulgarien, Dänemark, Deutschland, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, der Schweiz, der Tschechoslowakei und Ungarn teilnahmen. Thematische Schwerpunkte waren die Frage nach der zukünftigen Konstitution sowie dem Sitz des IGB und die Anträge der internationalen Gewerkschaften zu einem Friedenskongreß. Es wurden zwar einige Beschlüsse gefaßt, die angesichts der geringen Beteiligung letztendlich nicht bindend sein konnten. Die entscheidenden Weichenstellungen für die Politik des IGB in der Nachkriegszeit erfolgten erst auf den internationalen Konferenzen des Jahres 1919 in Amsterdam. Diese Konferenzen, auf denen Sassenbach eine exponierte Stellung einnahm, können als Beginn seiner Karriere innerhalb des IGB in den zwanziger Jahren angesehen werden. Während der Zeit des Ersten Weltkrieges hatte er sich hauptsächlich seinen Aufgaben, die aus dem Amt eines Berliner Stadtrates resultierten, und kriegsbedingten Gewerkschaftsaufgaben gewidmet. Die öffentliche Bühne der internationalen Gewerk-schaftsbewegung betrat Sassenbach wieder 1919 - inwieweit er während des Krieges informelle Kontakte aufrechterhielt, läßt sich nicht mehr mit Bestimmtheit sagen. Auf dem "Ersten Internationalen Gewerkschaftskongreß" vom 28. Juli bis 2. August 1919 in Amsterdam kam es de facto zu einer Wiedergründung des IGB. Diesem Kongreß ging einige Tage zuvor eine Vorkonferenz voraus, deren Aufgabe es eigentlich sein sollte, die Geschäfte der alten Internationale zu erledigen und die Geschäftsordnung des Kongresses vorzubereiten. Auf dieser Vorkonferenz kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen der deutschen und der belgischen Delegation. Die Belgier forderten eine Distanzierung der deutschen Gewerkschaften von den Greueltaten, die die Deutschen während des Krieges in Belgien, vor allem gegen die belgische Arbeiterbewegung, begangen hatten. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen, da große Teile der deutschen Delegation, unter ihnen auch der Vorsitzende des ADGB, Carl Legien, das Verhalten der deutschen Gewerkschaften verteidigten und ein Kriegsschuldeingeständnis ablehnten. In dieser Situation gab Sassenbach eine Erklärung ab, die zwar nicht von allen Mitgliedern der deutschen Delegation getragen wurde, aber dennoch zur Entspannung der Situation beitrug und somit die Durchführung des geplanten Kongresses ermöglichte. In dieser Erklärung brachte er zum Ausdruck, daß die deutschen Gewerkschaften zu jeder Zeit eingesehen hätten, welches große Unrecht Belgien zugefügt worden sei und dieses sowie die Deportation belgischer Arbeiter verurteilt hätten.48 Zur Rolle der deutschen Arbeiterbewegung bzw. der Gewerkschaften während des Krieges sagte er, daß sie im festen Glauben daran gehandelt hätten, daß Deutschland einen Verteidigungskrieg führe. Im Wortlaut hieß es dann weiter:
Das diplomatische Vorgehen Sassenbachs in der Nachkriegszeit und auch in späteren Jahren hat maßgeblich mit dazu beitragen, die deutschen Gewerkschaften wieder in den IGB zu integrieren und geholfen, daß sie mittelfristig - wenn auch nicht so unangefochten wie in der Vorkriegszeit - wieder eine führende Rolle im Bund spielen konnten. Im Verlauf des Amsterdamer Kongresses wurde die Sitzverlegung des IGB-Sekretariats von Berlin nach Amsterdam beschlossen. Dem neugewählten Vorstand gehörte erstmals kein deutscher Vertreter mehr an; den Vorsitz übernahm der Engländer Appleton. Des weiteren wurden sowohl die organisatorische Struktur als auch die zukünftigen Aufgabenbereiche des IGB neu festgelegt. Ferner wurden an Stelle eines Sekretärs ein siebenköpfiger Vorstand gewählt und die Abhaltung von Gewerkschafts-kongressen im Drei-Jahres-Rhythmus beschlossen. Zu den Kongressen entsandten die einzelnen Landesverbände Delegierte, deren Zahl nach ihrer jeweiligen Mitglieder-zahl festgesetzt wurde. Neben sozialpolitischen Aurgaben wollte man sich künftig mehr mit wirtschaftspolitischen Problemen befassen und somit auch der stärkeren Position der Gewerkschaften in der Nachkriegsgesellschaft gerecht werden. Außerdem kamen bis zur Wiedergründung der sozialistischen Arbeiter-Internationale Teile aus deren Aufgabenbereich auf den IGB zu. Als Ziele des IGB wurden in Amsterdam prokla-miert: die Einigung der internationalen Arbeiterklasse, die Förderung der internationalen Berufssekretariate, die Weiterentwicklung der internationalen Sozialgesetzgebung und die Verhinderung neuer Kriege. Diesen hochgesteckten Zielen konnte der IGB allerdings in seiner weiteren Entwicklung letztendlich nicht gerecht werden. Er hatte in der Praxis weder die Macht, den einzelnen Staaten seinen Willen aufzuzwingen, noch die Möglichkeiten, die nationalen Egoismen der jeweiligen Mitgliederorganisationen zu beseitigen.50 Auf der Konferenz des IGB im April 1922 in Rom wurden Sassenbach zu einem gleichberechtigten Sekretär des Bundes und Theodor Leipart, der Nachfolger Legiens im Amt des ADGB-Vorsitzenden, zum Vizepräsidenten gewählt. Damit war die Position Deutschlands innerhalb der Organisation wieder wesentlich verbessert worden. Für Sassenbach hatte die Wahl im Jahr 1923 eine Wohnsitzverlegung nach Amsterdam zur Folge und den Abschied nicht nur von Berlin, sondern auch von seinen Ämtern innerhalb der deutschen Gewerkschaftsbewegung. In seinen Erinnerungen ist der Zeit in Amsterdam, die ja immerhin acht Jahre seines Lebens ausmachte und mit einer wichtigen Position verbunden war, relativ wenig Raum gewidmet.51 Sassenbach beschränkt sich weitgehend auf die Aufzählung zahlreicher Reisen und der Teilnahme an Kongressen sowie anderen offiziellen Ereignissen. Er begründet dies damit, daß viel in der Presse erschienen sei und er nicht beabsichtige, "Mitteilungen über ver-trauliche Angelegenheiten zu machen"52, was angesichts der Gefahr, daß das Manuskript unter Umständen den Nationalsozialisten in die Hände fallen könnte, durchaus verständlich ist. Darüber hinaus scheint sich Sassenbach allerdings weder in Amsterdam noch in seiner Position wirklich wohl gefühlt zu haben:
Wegen innerer Querelen im IGB wollte Sassenbach bereits 1927 nicht mehr kandidieren und sich nach Frankfurt am Main zurückziehen. Er wurde jedoch von einer überzeugenden Mehrheit in die neueingerichtete Stellung eines Generalsekretärs des IGB gewählt, welche er bis 1931 inne hatte. Er hatte auf eigenen Wunsch auf dem IGB-Kongreß 1930 in Stockholm nicht erneut kandidiert, weil er spätestens mit 65 Jahren in den Ruhestand gehen wollte. Die praktische Politik des IGB in den zwanziger Jahren war einerseits von wirtschaftlichen und sozialen Problemstellungen, andererseits aber von dem Bestreben geprägt, neue Mitglieder zu gewinnen, um dem Anspruch der Internationalität gerecht zu werden und eine gemeinsame Linie unter den Mitgliedstaaten zu finden.54 Wie bereits erwähnt, war der Bund in seinen Bemühungen nur begrenzt erfolgreich. So dominierten auch weiterhin nationale Interessen, und Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Landesverbänden waren auf den diversen internationalen Kongressen an der Tagesordnung. Ein herausragender Streitpunkt innerhalb des IGB während der zwanziger Jahre war die Frage nach der Integration bzw. Ausgrenzung der sowjetischen Gewerkschaften und anderer Mitglieder der 1921 gegründeten Roten Gewerkschaftsinternationale (RGI). Hier setzte sich zwar die Abgrenzungspolitik gegenüber der RGI durch, diese war jedoch nicht unumstritten und führte immer wieder zu Auseinandersetzun-gen.55 Die Wirtschafts- und Sozialpolitik des IGB war von der jeweiligen ökonomi-schen und politischen Situation geprägt und erstreckte sich von Vorschlägen zur Krisenbewältigung, konkreten Hilfsprogrammen, Streikunterstützungen bis hin zu Versuchen, Verbesserungen der sozialen und wirtschaftlichen Situation der Arbeiter zu erreichen. Die Arbeit von Sassenbach beim IGB bestand neben organisatorischen Aufgaben vor allem auch darin, die Kontakte zwischen den einzelnen Gewerkschaftszentralen zu verbessern, wenn möglich Konfliktpunkte im Vorfeld von Kongressen auszuräu-men sowie Kontakte zu potentiellen neuen Mitgliedern zu knüpfen. Auch dieses Auf-gabenfeld erforderte von ihm wiederum viel diplomatisches Geschick. Zwar entsprach das viele Reisen ins Ausland seinem Interesse an fremden Ländern und Kulturen, dennoch - so klingt es jedenfalls zwischen den Zeilen an - scheint er die ständigen Konflikte innerhalb des Bundes als sehr zermürbend und wenig produktiv empfunden zu haben. So blieb ihm kaum Zeit für seine übrigen kulturellen und intellektuellen Inte-ressengebiete.
Eine weitere wichtige Facette im Leben von Johannes Sassenbach waren seine Begeisterung und sein Engagement für zeitgenössische Literatur. Sein stetes Bildungsbedürfnis hatte dieses Interesse früh geweckt, was auch in seiner Leidenschaft für Bücher zum Ausdruck kam. Er sammelte im Laufe seines Lebens eine überaus große Anzahl von Büchern, die er zu seiner beachtlichen Bibliothek zusammentrug. Dabei legte er den Schwerpunkt auf Literatur zur Gewerkschaftsbewegung. Diese Bibliothek übergab er 1923 dem Ortsausschuß der Berliner Gewerkschaften. 1933 wurde sie von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und in das Parteiarchiv der NSDAP eingegliedert. Sassenbach war - neben seinen zahlreichen anderen Aktivitäten - auch Publizist, Verleger und Schriftsteller.56 Zeitlich liegt der Schwerpunkt dieser Tätigkeiten von Anfang der 1890er Jahre bis in die Anfangsjahre des zwanzigsten Jahrhunderts. Je weiter seine Karriere als Gewerkschaftsfunktionär voran kam, desto mehr traten seine ver-legerischen und schriftstellerischen Aktivitäten in den Hintergrund. Publizistisch war er jedoch auch weiterhin vor allem in der Gewerkschaftspresse tätig. So schrieb er bei-spielsweise regelmäßig für die Literaturbeilage des "Correspondenzblattes".57 Einen wichtigen Einschnitt bildete auch hier - wie bei seiner gewerkschaftlichen Laufbahn - die Übersiedlung nach Berlin im Jahr 1890. Dort besuchte er seit 1893/ 94 als Gasthörer Veranstaltungen der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität. In diesem Zusammenhang nutzte er zum Selbststudium auch ausgiebig die Universitätsbibliothek, was ihn u.a. zu seinen beiden Abhandlungen "Die heilige Inquisition" (1893) und "Die Freimaurerei" (1896) veranlaßte. Diese beiden Bücher, die er im Selbstverlag herausbrachte und die den Grundstock für seinen eigenen Verlag bildeten, wurden zu Bestsellern. Das erste erschien in einer Gesamtauflage von 8.000 Stück, das zweite sogar in 32.000 Exemplaren. Dieser Erfolg brachte ihm zusätzliche Einnahmen, die ihm zu weiterer finanzieller Unabhängigkeit verhalfen. Das offizielle Gründungsdatum des Verlages "Johannes Sassenbach" war der 22. September 1891 und ging auf seine Tätigkeit als Herausgeber der "Sattlerzeitung" zurück. Offiziell existierte der Verlag bis 1926, verlegerische Aktivitäten sind allerdings nur bis zum Ersten Weltkrieg nachweisbar. Insgesamt erschienen dort zwischen 1893 und 1911 44 Titel. Man hat sich keinen großen Verlag vorzustellen, sondern einen Einmann-betrieb. Die "Geschäftsräume" des Verlages befanden sich immer in der jeweiligen Wohnung von Sassenbach. Seine verlegerischen Prinzipien sind nicht eindeutig, so viel läßt sich indessen sagen: Er hatte Verbindungen zu einer Gruppe moderner Autoren, die er förderte und verlegte, obwohl die Aussicht auf Profit eher gering war. An künstle-rischer Literatur dominieren Dramen und Gedichte. Er verlegte u.a. den Dichter Arno Holz58, der zu dieser Zeit Schwierigkeiten hatte, sein Werke zu veröffentlichen. Sassenbach kann als dessen Wegbereiter gelten. Darüber hinaus veröffentlichte er auch Werke von Angehörigen der Arbeiterbewegung, so die Gedichte des Dresdner Fabrikarbeiters Otto Krille.
Über seine verlegerischen Tätigkeiten hinaus pflegte Sassenbach auch ansonsten einen regen Gedankenaustausch mit Schriftstellern, Gelehrten und Politikern verschiedener politischer Couleur. Besonders ist in diesem Zusammenhang die sogenannte "Freitagsgesellschaft" hervorzuheben.
Mit dieser Einladung zog Sassenbach seit seinem Umzug ins Gewerkschaftshaus im Jahre 1900 einmal monatlich zahlreiche bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, wie Gelehrte, Künstler, Fabrikdirektoren, Diplomaten, Pressevertreter und Arbeiter, zu sich nach Hause, um mit ihnen über "allgemein interessierende Themen" zu diskutieren. Er verfolgte damit auch das Ziel, bei den Vertretern unterschiedlicher Klassen, Schichten und Parteien Verständnis füreinander zu wecken. Diese Einrich-tung, die in ihrer Form doch sehr an die bürgerlichen Salons Anfang des 19. Jahrhun-derts erinnert, war offensichtlich sehr beliebt. Sie existierte bis zum Weggang Sassenbachs aus Berlin im Jahr 1923 und zählte bis zu 100 Besucher. Die Zeit als Gasthörer an der Universität brachte Sassenbach auch in Kontakt mit den "Sozialistischen Akademikern", einer Gruppe von sozialistisch eingestellten Akade-mikern, die zu dieser Zeit gerade versuchte, sich eine eigene Organisation zu schaffen. Sie gaben eine gleichnamige Zeitschrift heraus, in deren Redaktion Sassenbach sofort aufgenommen wurde. Eine Erklärung dafür ist sicherlich seine Redaktionserfahrung, die den Studenten offenbar abging. Die Zeitschrift, die ab 1895 als "Sozia-listischer Akademiker. Organ der sozialistischen Studirenden und Studirten deutscher Zunge" erschien, war der Vorläufer der von Joseph Bloch herausgegebenen "Sozialistischen Monatshefte" und stand von Anfang an unter strenger Beobachtung der preußischen Polizei- und Justizbehörden. Denn auch nach Aufhebung des Sozialistengesetzes war es gängige Praxis, die Tätigkeit der Sozialdemokratie, der Gewerkschaften und die mit ihnen sympathisierenden Künstler und Intellektuellen zu beobachten und wenn irgend möglich gegen sie Juristisch vorzugehen. So war es nur eine Frage der Zeit, bis Sassenbach als Redakteur des "Sozialistischen Akademikers" mit den Behörden in Konflikt geriet. Den Anlaß dazu bot ein Leitartikel zum Gedenken an den 18. März 1848, der nach Sassenbachs Einschätzung "ungeheuer harmlos erscheint"60. Es wurden darin u.a. Parallelen zwischen den Vorgängen im Jahr 1848 und den Versuchen von 1895, die sogenannte "Umsturzvorlage" gesetzlich zu verankern, gezogen. Einer der Vorreiter dieser Vorlage, die jeglichen Angriff auf Monarchie, Religion, Ehe, Familie und das Privateigentum strafbar machen sollte, war der preußische Minister des Innern Ernst Matthias von Köller. Er zitierte in seiner Rede vor dem Reichstag am 9. Mai 1895 - neben anderen - auch den Artikel aus dem "Sozialistischen Akademiker". Zwar wurde die "Umsturzvorlage" vom Reichstag abgelehnt, dennoch war die Rede Köllers der Anlaß für die Staatsanwaltschaft, gegen Sassenbach gerichtlich vorzuge-hen. Er wurde zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Diese Erfahrung scheint für ihn aber keine gravierenden psychischen Folgen gehabt zu haben. Er nutzte sie vor allem, um sich weiterzubilden. Er schreibt darüber:
Im August 1896, also nur sieben Monate nach Verbüßung seiner Gefängnisstrafe, trennte sich Sassenbach wegen innerredaktioneller Konflikte vom "Sozialistischen Akademiker". Diese Trennung bot den Anstoß, eine eigene Zeitschrift im eigenen Verlag herauszugeben. Im Oktober 1896 erschien sie erstmals unter dem Titel "Neuland. Monatsschrift für Politik, Wissenschaft, Literatur und Kunst". Die Zeitschrift befaßte sich vorwiegend mit Kunst und Literatur, nahm aber auch Stellung zu politischen Tages-ereignissen.62 Politisch war sie sozialdemokratisch ausgerichtet.63 Die Zielgruppe war offensichtlich ein relativ anspruchsvoller Leserkreis, ohne die studentischen Attitü-den des "Sozialistischen Akademikers". Sassenbach gelang es zwar, den Anspruch der Zeitschrift formal und inhaltlich zu erhalten, dennoch war das Zeitschriftenprojekt nicht sehr erfolgreich, denn bereits im März 1898 wurde es wieder eingestellt.
Seine Erinnerungen schrieb Johannes Sassenbach im Jahr 1936, vier Jahre vor seinem Tod, nieder. Sie basieren auf Tagebuchaufzeichnungen, Briefen, eigenen Publikatio-nen und Zeitungsartikeln und umfassen den Zeitraum von seiner Kindheit bis zum Jahr 1931, als er sich aus der Politik und damit der Öffentlichkeit zurückzog. In den Archiven sind zwei Durchschriften von den "Erinnerungen" Sassenbachs überliefert: eins im "Archiv der Parteien- und Massenorganisationen der DDR" (SAPMO) in Berlin und eins im DGB-Archiv64 im Archiv der sozialen Demokratie in Bonn. Beide Versionen sind vom Text her identisch. Es handelt sich allerdings um verschiedene Durchschriften, also auch um verschiedene Originale. Dies macht sich durch unterschiedliche Tippfehler und Schreibweisen bemerkbar.65 Darüber hinaus enthält die Version im DGB-Archiv eine handschriftliche Widmung:
Einiges deutet daraufhin, daß die Version im SAPMO eine frühere ist, da dort hand-schriftlich eingefügte Verbesserungen in der anderen Version im getippten Fließtext integriert sind. Die Motivation, seine "Erinnerungen" zu verfassen, legt Sassenbach nicht offen. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß er angesichts der Zerschlagung der Gewerkschaf-ten und der organisierten Arbeiterbewegung insgesamt durch die Nationalsozialisten ein Stück Gewerkschaftsgeschichte, die er ja nicht nur miterlebt, sondern auch ak-tiv mitgestaltet hatte, für die Nachwelt lebendig halten und damit ein Stück Geschichte der Arbeiterbewegung bewahren wollte. Die Beweggründe von Personen aus der Ar-beiterbewegung, ihre "Lebensgeschichte" aufzuschreiben, basierte in dem Wunsch, ein Exempel darzulegen, welches die Gesellschaftlichkeit proletarischer Existenz belegte. Dabei wurden nicht die Individualität und das "Private", welches von bürgerlichen Autobiographen in den Mittelpunkt gestellt wird, betont. Darüber hinaus sollten Wege aufgezeigt werden, sich gegen die soziale und wirtschaftliche Benachteiligung zur Wehr zu setzen. Insofern sind die "Erinnerungen" von Sassenbach eindeutig der Gattung Arbeiterautobiographie zuzuordnen. Allerdings scheinen hier nicht unbedingt die "klassischen" Arbeiterbiographien von einfachen Arbeitern des 19. Jahrhunderts,66 wie die Autobiographie des Fabrikarbeiters Theodor Bromme "Lebensgeschichte eines modernen Fabrikarbeiters"67 oder die "Jugendgeschichte einer Arbeiterin"68 von Adelheid Popp, Pate gestanden zu haben, sondern eher die klassische "Funktionärs-autobiographie" von August Bebel "Aus meinem Leben"69, in der dieser die eigenen Erfahrungen und Erlebnisse mit der Geschichte des Aufstiegs der sozialdemokratischen Partei verwebt. Auch Sassenbach stellte nicht sich als Person in den Mittelpunkt, sondern er verknüpfte sein Leben und seine Tätigkeiten mit der Geschichte der na-tionalen und der internationalen Gewerkschaftsbewegung. Der Privatmann Sassenbach bleibt weitgehend im dunkeln,70 wobei in diesem Falle die Frage erlaubt ist, wieviel Privatleben er angesichts seiner zahlreichen Aktivitäten überhaupt noch hatte, und ob nicht das "öffentliche" und das "private" Leben soweit miteinander verzahnt waren, daß es schwer fallen würde, eine Trennungslinie zu finden. Da Sassenbach nicht verheiratet war und offensichtlich auch keine eheähnlichen Beziehungen hatte, gab es für ihn den privaten Bereich der Familie auch nicht. Seine privaten Gedanken, seine Wünsche und Hoffnungen, die auch er gehabt haben wird, bleiben dem Leser verschlossen. Dennoch sind die "Erinnerungen" von Johannes Sassenbach ein wichtiges Selbstzeugnis für die Gewerkschaftsgeschichte und die Arbeiterkulturgeschichte bis zum Jahr 1931 und können dem Leser und der Leserin diese Geschichte aus der Perspektive eines aktiv daran Beteiligten näher bringen.
| 1 | Ein ausführlicher Lebenslauf von Johannes bzw. Johann Sassenbach (die Vornamensnennung wird unterschiedlich benutzt) befindet sich am Beginn dieses Bandes. |
| 2 | Vgl. dazu u.a. Gerhard Beier, Schulter an Schulter, Schritt für Schritt: Lebensläufe deut-scher Gewerkschafter von August Bebel bis Theodor Thomas, Köln 1983, S. 121 ff. |
| 3 | Vgl. Ulrich Borsdorf, Deutsche Gewerkschaftsführer - biografische Muster, in: Ders. u.a. (Hrsg.), Gewerkschaftliche Politik: Reform aus Solidarität. Zum 60. Geburtstag von Heinz 0. Vetter, Köln 1977, S. 11-41, hier S. 22ff.; Detlev Brunner, Bürokratie und Politik des All-gemeinen Gewerkschaftsbundes 1918/19 bis 1933 (Schriftenreihe der Otto Brenner Stif-tung, Bd. 55), Frankfurt a.M. 1992, S. 118ff., bes. S. 145ff., S. 157ff. |
| 4 | Auf seiner Wanderschaft im Ausland kam Sassenbach u.a. in folgende Orte bzw. Städte: Winterthur, Schaffhausen, Zürich, Zug, Einsiedeln, Küssnacht, Luzern, Interlaken, Thun, Bern, Lausanne, Aix-les-Bains, Chambery, Grande Chartreuse, Grenoble, La Salette, Niz-za, Monaco, Ventimiglia, San Remo, Savona, Pavia, Mailand, Venedig und Triest. |
| 5 | Vgl. u.a. Susanne Miller, Burgfrieden und Klassenkampf. Die deutsche Sozialdemokratie Im Ersten Weltkrieg (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Bd. 53), Düsseldorf 1974; Adelheid von Saldern, Die Gemeinde in Theorie und Praxis der deutschen Arbeiterorganisationen 1863-1920. Ein Überblick, in: IWK 12 (1976), S.295-352. |
| 6 | Vgl. dazu ausführlich die Protokolle der Sitzungen dieses Gremiums im Archiv der sozialen Demokratie (FES), Hiko Berlin, ABI/ADGB, NB 525. |
| 7 | Sozialattachès werden noch heute u. a. auch auf Vorschlag der Gewerkschaften an deutsche Botschaften entsandt. |
| 8 | Johannes Sassenbach, Erinnerungen, 1936, S. 181. |
| 9 | Vgl. Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abt. 409/3 Kartei. |
| 10 | Vgl. ebd. und Abt. 409/3, Nr. 137. |
| 11 | Willi Haug war von 1927 bis 1933 Filialleiter der Bank für Arbeiter, Angestellte und Beamte AG in Frankfurt a.M. und nach dem Zweiten Weltkrieg Direktor der Bank für Gemeinwirtschaft. |
| 12 | FES, Depositum Willi Haug, Mappe 5, Eleonore Haug am 15.3.1941 an Prof. Dr. Kremer (Münster). |
| 13 | Im Brockhaus von 1984 heißt es: "Sassenbach, Johannes, Gewerkschafter, geb. Breun (heu-te zu Lindlar) 12.10.1866, verst. Frankfurt a.M. 19.11.1940, Sattler, war 1902-21 Mitgl. der Generalkommission der Gewerkschaften und Vorstandsmitglied des ADGB, seit 1922 Sekretär, 1927-31 Gen.-Sekr. des Internationalen Gewerkschaftsbundes, auch Schriftst. und Verleger." DTV-Brockhaus-Lexikon, Bd. 16, Wiesbaden/München 1984, S. 60. |
| 14 | Vgl. FES, Depositum Willi Haug, Box 1, Mappe 4, handschriftliche Anmerkung von Willi Haug am entsprechenden Passus von Sassenbachs Testament vom 25.10.1939. |
| 15 | Vgl. ebd., Testament vom 25.10.1939 |
| 16 | Otto Scheugenpflug hat zwar 1959 ein Buch über Sassenbach vorgelegt. Es beruht aller-dings fast ausschließlich auf den "Erinnerungen" von Sassenbach bzw. ist eine umgeschrie-bene Version derselben. Vgl. Otto Scheugenpflug, Johann Sassenbach. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung nach Aufzeichnungen Sassenbachs, Hannover/Frankfurt a.M. 1959. Vgl. dazu auch die Rezension von Henryk Skrzypczak im Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands. Ergänzungsband zu Band 11, Berlin 1967, S. 90f.; einen kurzen biographischen Abriß über das Leben und Wirken von Sassenbach bieten u.a. Gerhard Beier, Schulter an Schulter, S. 157ff.; Ludwig Heyde u.a. (Hrsg.) Internationales Handwörterbuch des Gewerkschaftswesens, Bd. 2, Berlin 1932, S. 1390; Franz Osterroth, Biographisches Lexikon des Sozialismus, Bd. 1: Verstorbene Persönlichkeiten, Hannover 1960, S. 260f.; Johann Sassenbach: Vorbild und Vorkämpfer, in: Die Quelle 17(1956) H. 10, S. 474-475; Vor hundert Jahren wurde Johann Sassenbach geboren, in: Welt der Arbeit Nr. 42 (1966), S. 6. |
| 17 | Zur Geschichte der Gewerkschafts- und Arbeiterbewegung bis zum Ende des Kaiserreichs vgl. u.a. Michael Schneider, Kleine Geschichte der Gewerkschaften. Ihre Entwicklung in Deutschland von den Anfängen bis heute, Bonn 1989; Klaus Schönhoven, Die Gewerk-schaften als Massenbewegung im Wilhelminischen Kaiserreich 1890 bis 1918, in: Ulrich Borsdorf (Hrsg.), Geschichte der deutschen Gewerkschaften von den Anfängen bis 1945, Köln 1987, S. 167-278; Ders., Expansion und Konzentration. Studien zur Entwicklung der Freien Gewerkschaften im Wilhelminischen Deutschland 1890 bis 1914 (Industrielle Welt, Bd. 30), Stuttgart 1980; Ders., Die deutschen Gewerkschaften. Frankfurt a. M. 1987; Hel-ga Grebing, Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Ein Überblick, 11. Aufl. München 1981; Dies., Arbeiterbewegung. Sozialer Protest und kollektive Interessenvertretung bis 1914 (Deutsche Geschichte der neuesten Zeit), 3, Aufl. München 1993; Dies., Die deut-sche Arbeiterbewegung zwischen Revolution und Etatismus (Meyers Forum, Bd. 20), Mannheim u.a. 1993; Gerhard A. Ritter, Klaus Tenfelde, Der Durchbruch der Freien Gewerkschaf-ten Deutschlands zur Massenbewegung im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, in: Heinz Oskar Vetter (Hrsg.), Vom Sozialistengesetz zur Mitbestimmung. Zum 100. Geburtstag von Hans Böckler, Köln 1975, S. 61 - 120. |
| 18 | Vgl.dazu u.a. Schneider, Kleine Geschichte, S. 80ff.; Ders., Die christlichen Gewerkschaften 1894-1933, Bonn 1982. |
| 19 | Bis zu diesem Zettpunkt existierten zwei sozialistische Parteien: der Lassallesche "Allge-meine Deutsche Arbeiterverein", gegründet 1863, und die "Sozialdemokratische Arbeiter-partei" unter Federführung von Karl Liebknecht und August Bebel, 1869 in Eisenach ge-gründet; vgl. Susanne Miller, Heinrich Potthoff, Kleine Geschichte der SPD, 7. Aufl. Bonn 1991,S.30tf. |
| 20 | Als Aufgabenbereiche der Generalkommission wurden festgelegt: die Verteidigung des Koalitionsrechtes, die Agitation zur Gründung neuer Gewerkschaften, die Leistung von finanzieller Unterstützung bei Abwehrstreiks, die Einberufung und Vorbereitung von Kon-gressen des gewerkschaftlichen Dachverbandes sowie der Entwurf eines Organisations-plans der Gewerkschaften. |
| 21 | Sassenbach, Erinnerungen, S. 22 |
| 22 | Im Jahr 1906 gab es bereits 26 Gewerkschaftshäuser im Deutschen Reich; vgl. u.a. Adel-heid von Saldern, Wilhelminische Gesellschaft und Arbeiterklassse. Emanzipations- und Integrationsprozesse im kulturellen und sozialem Bereich, in: IWK 13 (1977), S. 469-505, hier S. 481. |
| 23 | Vgl. u.a. Fritz Gumpert, Die Bildungsbestrebungen der freien Gewerkschaften, Jena 1923; zur Arbeit von Sassenbach in der Zentralstelle vgl. FES, Hiko-Berlin, ABI/ADGB, NB 562, 563,564. |
| 24 | Sassenbach, Erinnerungen, S. 38. |
| 25 | Zum Arbeiterwohnen im Kaiserreich vgl. Adelheid von Saldern, Häuserleben. Zur Geschichte des städtischen Arbeiterwohnens vom Kaiserreich bis heute, Bonn 1995, S. 39ff. |
| 26 | Sassenbach, Erinnerungen, S. 39. |
| 27 | Zum Bildungswesen der Gewerkschaften im Kaiserreich vgl. u.a. Gumpert, Bildungsbestre-bungen; Peter Krug, Gewerkschaften und Arbeiterbildung. Zum Zusammenhang von Funk-tion, Selbstverständnis, Organisation, Politik und Bildungsarbeit der Gewerkschaften. Eine historisch-systematische Untersuchung von den Anfängen der Arbeiterbildung bis zur Weimarer Republik, Diss. Göttingen 1978. |
| 28 | Auf die publizistische Tätigkeit Sassenbachs - auch in der Gewerkschaftspresse - wird an anderer Stelle näher eingegangen. |
| 29 | Vgl. Krug, Gewerkschaften, S. 281ff. |
| 30 | Die dortige Fächerkanon bestand aus: Nationalökonomie, Rede- und Sittengewandtheit, Zeitungstechnik, Geschichte, Soziologie, Arbeiterrecht, Strafrecht, bürgerliches Recht, Kommunalpolitik und Naturerkenntnis; vgl. Gumpert, Bildungsbestrebungen, S. 16. |
| 31 | Protokoll der Verhandlungen des fünften Kongresses der Gewerkschaften Deutschlands abgehalten zu Köln a. Rh. vom 22. Bis 27. Mai 1905, Berlin o.J., S. 251. |
| 32 | Die Themenfelder, die gelehrt wurden, waren folgende: Geschichte und Theorie der deut-schen Gewerkschaftsbewegung, die gegnerischen Gewerkschaften in Deutschland, die Gewerkschaftsbewegung im Ausland, die Versicherungsgesetzgebung, Arbeiterschutz, der gewerbliche Arbeitsvertrag, Nationalökonomie, Kartelle und Unternehmensvereinigungen, Einführung in die Statistik, gewerkschaftliche Literatur sowie Buchführung und kaufmännischer Verkehr; vgl. Gumpert, Bildungsbestrebungen, S. 19. |
| 33 | Vgl. Gumpert, Bildungsbestrebungen, S. 20. |
| 34 | In den Kursen für Arbeitersekretäre wurden folgen Themenschwerpunkte behandelt: Arbeiterversicherung, Öffentliches Recht, Staatsbürgerrecht, Strafrecht und Strafprozeß, Zivilprozeßordnung und Verfahren vor den Gewerbe- und Kaufmannsgerichten, Arbeiterschutz sowie Arbeitsvertrag; vgl. Gumpert, Bildungsbestrebungen, S. 23. |
| 35 | Eine Literaturbeilage des "Correspondenzblattes" erschien seit 1909 monatlich in einem Umfang bis zu 8 Seiten; vgl. Krug, Gewerkschaften, S. 253f. |
| 36 | Protokoll des achten Gewerkschaftskongressen zu Dresden 1911, in: Paul Barthel (Bearb.), Handbuch der deutschen Gewerkschaftskongresse, Dresden 1916, S. 86. |
| 37 | Ebd.,S.86f. |
| 38 | Zu den Arbeiterbibliotheken vgl. Dieter Langewiesche/Klaus Schönhoven, Arbeiter-bibliotheken und Arbeiterlektüre im Wilhelminischen Deutschland, in: Archiv für Sozial-geschichte 16 (1976), S. 135-204. |
| 39 | Vgl. Johannes Sassenbach, Verzeichnis der in deutscher Sprache vorhandenen gewerk-schaftlichen Literatur, 1 .-4. Ausgabe, Berlin 1906-1910. |
| 40 | Auf diesem Gebiet engagierte er sich mit Nachdruck. Er stellte sich zwar nicht gegen den Konsum von Unterhaltungsliteratur, nur sollte diese - wenn möglich - noch einen Lern-effekt beinhalten. Zu seinem Engagement gegen "Schundliteratur" vgl. u.a. FES, Hiko Berlin, ABI/ADGB, NB 563, Vortrag Sassenbachs zum Thema von 1912; Johannes Sassenbach, Bekämpfung der Schundliteratur und Förderung des Vertriebes guter Unterhaltungslektüre, in: Literaturbeilage des Correspondenzblatt vom 18.2.1911, S. 9. |
| 41 | Protokoll des achten Gewerkschaftskongressen zu Dresden 1911, in: Paul Barthel (Bearb.), Handbuch der deutschen Gewerkschaftskongresse, Dresden 1916, S. 841; Zur Geschichte des IGB vgl. Johann Sassenbach, Fünfundzwanzig Jahre internationale Gewerkschafts-bewegung, Amsterdam 1926; Ders., Rede zum fünfundzwanzigjährigen Bestehen des IGB 1926: "Der internationale Gewerkschaftsbund", in: FES, Depositum Willi Haug, Box 1, Mappe 2; Hans Gottfurcht, Die Internationale Gewerkschaftsbewegung im Weltgeschehen, Köln 1962; Thomas Meyer u.a. (Hrsg.), Lexikon des Sozialismus, Köln 1986, S. 273f.; Scnönhoven, Die Gewerkschaften, S. 243-248; Michael Schneider, Höhen, Krisen und Tie-fen. Die Gewerkschaften in der Weimarer Republik 1918 bis 1933, in: Ulrich Borsdorf (Hrsg.), Geschichte der deutschen Gewerkschaften von den Anfängen bis 1945, Köln 1987, S. 279-348, hier S. 322f. |
| 42 | Protokoll des achten Gewerkschaftskongressen zu Dresden 1911, in: Paul Barthel (Bearb.), Handbuch der deutschen Gewerkschaftskongresse, Dresden 1916, S. 8; Vgl. Sassenbach, Fünfundzwanzig Jahre, S. 7ff. |
| 43 | Vgl. Schönhoven, Die Gewerkschaften, S. 246. 28 |
| 44 | Vgl. u.a. Johann Sassenbach, Bericht über die vierte internationale Konferenz der Sekretäre der gewerkschaftlichen Landeszentralen, in: Zweiter internationaler Bericht über die Gewerkschaftsbewegung 1904, Berlin 1906, S. 19-33; Ders., Bericht über die fünfte in-ternationale Konferenz der Sekretäre der gewerkschaftlichen Landeszentralen, in: Vierter internationaler Bericht über die Gewerkschaftsbewegung 1906, Berlin 1908, S. 13-28; Ders., Sechste, internationale Konferenz der Vertreter der gewerkschaftlichen Landeszentralen, in: Sechster internationaler Bericht über die Gewerkschaftsbewegung 1908, Berlin 910,8.19-41. |
| 45 | Das Ruskin College in Oxford wurde im Jahr 1899 von dem wohlhabenden Amerikaner Wal-ter Vroomann initiiert. Es sollte jungen Leuten aus der Arbeiterklasse die Möglichkeit bie-ten, an der Bildung, die ihnen ansonsten verschlossen blieb, zu partizipieren und diese dann nutzbringend im Rahmen der Arbeiterbewegung wieder einzusetzen. Ab 1909 waren u.a. auch die englischen Gewerkschaften und der Verband der Genossenschaften an dem College beteiligt. Vgl. FES, DGB-Archiv 1/JSAB000009, Vortrag von Sassenbach über das Bildungssystem der englischen Gewerkschaften, o.D. |
| 46 | Von seinen Kontakten ins Ausland zeugt auch seine Korrespondenz mit zahlreichen Freun-den und Kollegen in anderen Ländern, die er, bis es ihm die Nationalsozialisten unmöglich machten, aufrechterhielt, vgl. u.a. Bundesarchiv Koblenz (BAK), Kleine Erwerbungen, Allgemeiner deutscher Gewerkschaftsbund, allgemeiner Schriftverkehr, Bd. 6, Johann Sassenbach; FES, DGB-Archiv 1/JSAB000004, 1/JSAB000010, 1/JSAB000006, 1/ JSAB000005,1/JSAB000003. |
| 47 | Vgl. u.a. Gottfurcht, Internationale Gewerkschaftsbewegung, S. 41 ff. |
| 48 | Die Erklärung im Wortlaut ist abgedruckt in: Sassenbach, Fünfundzwanzig Jahre, S. 73. |
| 49 | Ebd. |
| 50 | Vgl. Heinrich Potthoff, Freie Gewerkschaften 1918-1933. Der Allgemeine Deutsche Ge-werkschaftsbund in der Weimarer Republik (Beiträge zur Geschichte des Parlamentaris-mus und der politischen Parteien, Bd. 82), Düsseldorf 1987, S. 71. |
| 51 | Vgl. Sassenbach, Erinnerungen, S. 154ff. |
| 52 | Ebd., S. 158. |
| 53 | Ebd. |
| 54 | Vgl. Gottfurcht, Internationale Gewerkschaftsbewegung, S. 67ff. |
| 55 | So z.B. auf dem Kongreß des IGB 1927 in Paris. Vor allem die englischen Gewerkschaf-ten setzten sich massiv für eine intensive Zusammenarbeit mit der RGI ein. Vgt. ebd., S. 95. Das Thema wurde auch in zahlreichen Zeitungsartikeln der Arbeiterpresse diskutiert, vgl. u.a. Artikelsammlung in: FES, Depositum Willi Haug, Box 1, Mappe 3. |
| 56 | Vgl. u.a. Willi Köhler, Johann Sassenbach - Sattlergeselle und Bücherfreund, in: Margina-lien. Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie 69 (1978) H.1, S. 22-28; Barbara Voigt, Der Gewerkschaftsführer, Verleger und Publizist. Johann Sassenbach (1866-1940), in: Literarisches Leben in Berlin 1871-1933, Berlin 1987, S. 299-333. |
| 57 | Vgl. u.a. Johannes Sassenbach, Gewerkschaftsgeschichte, in: Literaturbeilage des Correspondenzblatt, Nr. 11 vom 27.11.1909, S. 82f.; Ders., Gewerkschaftsgeschichte, in: Lite-raturbeilage des Correspondenzblatt, Nr. 12 vom 25.12.1909, S. 89f; Ders., Bekämpfung der Schundliteratur und Förderung des Vertriebes guter Unterhaltungslektüre, in: Litera-turbeilage des Correspondenzblatt, Nr. 2 vom 18.1.1911, S. 71 f. |
| 58 | Arno Holz, geb. 26.4.1863 in Rastenburg (Ostpreußen), gest. 26.10.1929 in Berlin, gilt als eine der Wegbereiter und Begründer des Naturalismus. Er verfaßte Gedichte und Dramen. Seine Werke zeichnen sich durch einen ungewöhnlichen Sprachreichtum und barockes Formgefühl aus. |
| 59 | FES, Hiko-Berlin, ABI/ADGB, NB 526. |
| 60 | Sassenbach, Erinnerungen, S. 31. |
| 61 | Ebd. |
| 62 | Zu den Autoren gehörten u.a. Angehörige des "Friedrichshagener Kreises" und des deutschen Naturalismus, wie z.B. Otto Erich Hartleben, Wilhelm Bölsche, Julius und Heinrich Hart, Gerhart Hauptmann oder Paul Kampffmeyer; vgl. Voigt, Gewerkschaftsführer, S. 312; Köhler, Sassenbach, S. 26. |
| 63 | Innerhalb der Arbeiterbewegung gab es Auseinandersetzungen um die Zeitschrift. So kri-tisierte Franz Mehring sie als 2parteizeitgenössisches Blatt". Zu der Kritik von Mehring vgl. ausführlich Voigt, Gewerkschaftsführer, S. 312ff. |
| 64 | Vgl. FES, DBG-Archiv, 1/JSAB 000001. Des weiteren existiert Im DGB-Archiv noch eine Abschrift aus der Nachkriegszeit, die mit dem Manuskript identisch ist und ein - unbrauch-bares - Register enthält; vgl. FES, DGB-Archiv, 1/JSAB 000002. |
| 65 | Die Unterschiede in den Durchschriften lassen sich an folgenden Punkten konkretisieren:
Es unterscheiden sich bestimmte Schreibweisen: so "ss" bzw. "ß", Frankfurt a. Main (S. 175), DGB Frankfurt a/M; darüber hinaus sind zahlreiche Tippfehler und weitere Schreibvarianten unterschiedlich, so z.B.: DGB Werkstellern (S. 18), SAPMO Werkstellen; DGB Freuer (S. 47), SAPMO Feuer; DGB abgereißt (S. 61), SAPMO abgereist; DGB sydikalistischen (S. 62), SAPMO syndikalistischen; DGB Colleges (S. 71), SAPMO Colledges; DGB Sozial-Attachès (S. 118), SAPMO Sozialattachès; DGB A.D.G.B. (S. 120), SAPMO ADGB.;
des weiteren sind einige Seitenumbrüche nicht gleich: z.B. "...Papierstaub, der..." (S.52), DGB Umbruch "...Papier =", "...verrauche und" (S. 123), DGB "...verrauche und im Ausland" "...hervorgehoben" (S. 124) DGB "...gewissermaßen anerkannt "um die Möglichkeit zu haben" (S. 125) DGB "...Fragen mündlich zu besprechen" "...Lohn- und Arbeitsbedingungen" (S.129) DGB "...die Lohn und" "niederlegen, muss, und" (S.154), DGB "...und daß wir sehr seinen bewährten Rat entbehren müssen" "...(Verweigerung und Beladung und" (S. 172) DGB "...Auslandes bereitet wer-den," "...eine lange politische und" (S.180), DGB "..hatte er bereits eine lange" auch handschriftliche Einfügungen bzw. eine Änderung sind im Manuskript im DGB-Archiv eingefügt: z.B. SAPMO "...in Berlin der Kampf zwischen den Zentralverbänden" (S. 41) durchgestrichen handschriftlich korrigiert "Hamburg geschlossen Anhänger von Zentralverbänden", DGB gleich die korrigierte Version; SAPMO angeschlossen hand-schriftlich eingefügt (S. 102), DGB maschinenschriftlich im Fließtext; Korrekturzeichen "zu Frassati" (S. 12/) fehlt Im DGB-Text; SAPMO mit Korrekturzeichen "Ihre Attacke" (S.173), DGB im fließenden Text; ein weiterer Unterschied liegt in der Schrifttype, die in der SAPMO-Version ab S. 56 wechselt. |
| 66 | Vgl. dazu u.a. Borsdorf, Gewerkschaftsführer, S. 11f.; Wolfgang Emmerich, Proletarische Lebensläufe. Autobiographische Dokumente zur Entstehung der Zweiten Kultur in Deutschland, Bd. 1:Anfänge bis 1914, Reinbek b. Hamburg 1976, S. 11-39. |
| 67 | Vgl. Moritz Theodor Bromme, Lebensgeschichte eines modernen Fabrikarbeiters, Leipzig/ Jena 1905. |
| 68 | Vgl. Adelheid Popp, Jugendjahre einer Arbeiterin, München 1909. |
| 69 | Vgl. August Bebel, Aus meinem Leben, Teil 1-3, Stuttgart 1910-1914. |
| 70 | Aus seinem Testament wird lediglich ersichtlich, daß Sassenbach Kontakte zu der Familie seiner Schwester pflegte und einen jungen Mann als "Adpotivsohn" betrachtete. |